Gerhard Häusler Auf der Suche nach dem verlorenen Satz

Gerhard Häusler Auf der Suche nach dem verlorenen Satz

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Beschreibung

Gesammelte Prosa 581 Seiten


Textprobe


Gerhard Häusler


Professor Zweisterns praktische Kurzvorträge für den alltäglichen Gebrauch



Der Mensch als Postbote


Wie wir bereits wissen, tritt der Mensch in vielerlei Art auf, und wie er auch auftritt, heutig, verloren, ungeschehen, unmöglich, kennengelernt oder als Postbote, er befindet sich in einer Strukturkrise. Tritt er als Postbote auf, befindet sich zwangsläufig die Post in einer Strukturkrise. Nicht die italienische, aber die deutsche. Deshalb muß Überflüssiges überfließen, damit die Kassen wieder voller werden. So sagen wiederum Menschen, die keine Postboten sind, denn auf die Krise der Struktur und ihre Vorboten, z.B. die Postboten, darf keinesfalls verzichtet werden. Postboten jedoch sind Strukturträger, indem sie die Post tragen, austragen. Die Strukturschaffer hingegen sind sowohl überflüssig als auch überfällig. Das Datum des Poststempels allerdings genügt hier leider nicht. Einfach wäre es deshalb, die Strukturträger abzuschaffen, z.B. den Postboten. Wer aber würde dann die Struktur ertragen,

geschweige denn die Post austragen, würde der Postboote ausgebootet und bessere Gewinne ausgelotet? Das muß wieder ins Lot, denn rein strukturell betrachtet sitzen wir alle im selben Boot, sagen sie. Nur: Die Strukturträger rudern und die Strukturschaffer sitzen die Tiefe ihrer Lotungen aus. Das Beispiel des Postboten ist hier völlig beliebig gewählt. Jeder wird vermutlich mühevoll weitere solcher Beispiele finden können, zum Beispiel.

So besteht zunächst keinerlei Unterschied, und doch unterscheidet die Ununterscheidbarkeit alles. Das bedarf der Erläuterung oder auch ohne Er-. Bezogen auf unser Thema, es heißt schließlich: Der Mensch als Postbote und

zufälligerweise nicht: der Unterscheid, ergibt sich deshalb folgende praktische Konsequenz: Mit sofortiger Wirkung ergeht strikt einzuhaltende Verordnung an alle Postboten als leider noch nicht völlig abschaffbare

Strukturträger, die aushalten, was andere haushalten bzw. hofhalten. Überflüssiges ist von Stund an nicht mehr auszutragen, auch nicht ab- oder umzuleiten, sondern unverzüglich in die Staatskasse zurückzuleiten, ohne

jede Umleitung. Die Länge der Leitung hat hierbei allerdings keine Berücksichtigung zu finden, egal, welcher Minister die Post jeweils leitet. Die Bestimmung des Überflüssigen ist unter keinen Umständen vom Postboten

selbst vorzunehmen. Hierzu ergeht nachfolgende innerbetriebliche Dienstanweisung: Ohne Ausnahme sind in allen Fällen, ohne Bestätigung der Regel, überflüssig, egal über welche Dicke sie verfügen: Beweisigungsschreiben

und gleichrangige Schriftstücke bis n-ten Grades, Zählungen, für die noch nicht gezählt wurde, sowie Vergleichbares. Mit gewissen Einschränkungen der Flüssigkeit muß darüber hinaus gerechnet werden bei Schrifstücken in

Abhängigkeit von ihrer Stückzahl. Urkunden dürfen nicht mehr zugestellt werden, sofern sie mit Urahnen noch in irgendeiner wie auch immer gearteten Beziehung stehen. Sollte trotz größter Gewissenhaftigkeit dennoch einmal

Überflüssiges transportiert worden sein, so ist solches auf dem schnellsten Wege und umgehendst an den Empfänger zurückzuschicken.

Ich kann nur hoffen, Ihnen damit eine Ahnung dessen vermittelt zu haben, was nicht mehr auf Sie zu kommt und Ihnen mit dem Bundesgesundheitsminister in bester Hoffnung 'Gute Besserung' wünschen für alle Reformen. Sie haben andererseits die unbenommene Möglichkeit der Freiheit, dieses zu erahnen oder auch dazuzudenken, womit wir jedoch bereits beim denkenden Menschen angelangt sind und damit Gott sei Dank oder auch leider, am Ende. Der nächste praktische Kurzvortrag, der ungeachtet aller Dienstanweisungen auf Sie zu kommt und über den jetzt bereits nachzudenken völlig unsinnig ist, zu dem Thema: Der denkende Mensch, empfiehlt sich von selbst.

Ich danke Ihnen!